Herbert Zangs

 

 

Sackarbeit (1956)
70 x 100 cm, Sackleinen, weiß durchpresst, pastos, unter Plexiglas
© 2008 Galerie Fellner von Feldegg
Englandbild
© 2008 Galerie Fellner von Feldegg
Zange (1962)
ca. 30 x 18 cm, Materialcollage mit Zange
© 2008 Galerie Fellner von Feldegg
Weiße Reihung, monochrome (60er Jahre)
60 x 40 cm, Öl auf Leinwand, monochrome weiß
© 2008 Galerie Fellner von Feldegg

Herbert Zangs - ein Urgestein, unbequem für viele, die ihm nahe standen oder mit ihm arbeiten wollten, potent und kraftvoll in seiner ganzen Person. Er war ein Vollblutkünstler, der sich durch nichts bremsen ließ, ein Mensch, dem die Freiheit und Unabhängigkeit ins Blut gelegt war. Er war ein Nomade, der rastlos weiterzog, um Neues zu entdecken. Die Ruhelosigkeit war Triebfeder seiner großen Kreativität, aber möglicherweise zugleich für seine Künstlerkarriere ein Problem.
 

Zangs Oeuvre ist außergewöhnlich vielfältig und facettenreich. Schon vor seiner Zeit des fünfjährigen Kriegsdienstes in Finnland von 1941-45 macht sich Zangs’ Kreativität bemerkbar. Doch erst während und nach der Studienzeit an der Kunstakademie in Düsseldorf 1946/47, weitet sich das Spektrum seiner Arbeiten aus. „Malerei war meine Vorbestimmung, der bin ich gefolgt“, erzählt der Künstler später, was sich an seiner unverkennbaren Handschrift ablesen lässt. (Herbert Zangs, Sehen in Weiss - Stationen) Er bediente sich des Aquarells, des Drippings, wie auch der Ölfarbe, er fand für sich die „Scheibenwischertechnik“, die „Antibücher“ und die sog. „Verweißungen“, Bilder in Weiß, die, so sagt er, „mein ganz eigenständiger Beitrag zur Kunst dieses Jahrhunderts sind“ Ab 1952 tritt Zangs mit diesen Arbeiten an die Öffentlichkeit. Es sind die winterlichen Schneeweiten Finnlands, die den Künstler tief beeindruckt haben und später dazu veranlassen, Gemälde und Objekte ganz in weiße Farbe zu tauchen.
 

Kunstgeschichtlich betrachtet hat er noch nicht den Platz gefunden, der ihm gebührt. Grund dafür ist in erster Linie sein künstlerischer Ansatz und sein Umgang mit dem Material sowie der Farbe Weiß, der vollständig anders gelagert ist, als der seiner Kollegen zu Beginn der 50er Jahre. Gerne wird er als Vorläufer oder Wegbereiter der Zerogruppe genannt. Doch Zangs Handhabe der Unfarbe Weiß fußt weder in Manzonis oder Fontanas Spiritualität, noch sucht er die Nähe zu jener rational-wissenschaftlichen Frage nach einem ästhetischen Nullpunkt, wie sie seit 1958 von der Zero Gruppe gestellt worden ist. Es ist vielmehr das Spontane, Unreflektierte der Geste, das schnell Hingeworfene, das seine Arbeiten auszeichnet.


Langsam lockert sich die den Blick auf sein Werk verstellende enge Verbindung von Künstler und seinen Arbeiten und die Menschen, die ihn nicht persönlich kannten, genießen die Chance des unvoreingenommenen Blickes auf sein Oeuvre. Vermehrt rückt das Werk des Künstlers in die Programme der deutschen und europäischen Galerien sowie Auktionshäuser. Darüber hinaus gibt es weitere Initiativen, die den Stellenwert von Herbert Zangs ins rechte Licht rücken, dessen Oeuvre, wie Martin Engler erkennt, „gerade durch seine Widersprüche zum Spannendsten gehört, was das Jahrzehnt vor Zero neben dem Informel zu bieten hat.“ 

 
Es muss darauf hingewiesen werden, dass im Kunsthandel zahlreiche Fälschungen angeboten werden. Grundsätzlich sollte auf ein Zertifikat oder die Provinienz geachtet werden.

 

Vita
 

1924          geboren in Krefeld

ab 1946     Studium an der Kunstakademie, 
                 Düsseldorf

2003          gestorben in Krefeld


Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, Museen, Kunstvereinen und Galerien.

 

Durch seine Akademiezeit in Düsseldorf und mehr noch durch seine ausgeprägte Reiselust kannte Zangs fast alle bekannten Künstler seiner Zeit. So verbanden ihn zahlreiche Gespräche mit Günter Grass, was seinen Niederschlag in der „Blechtrommel“ finden sollte. Später besuchte er Picasso in seinem Atelier, übernachtete mit Wols unter den Pariser Brücken, war wochenlang mit Rainer Maria Remarque in der Schweiz zusammen und stellte unter anderem mit Giacometti aus. 1977 war er mit seinen Antibüchern auf der „documenta 6“ vertreten und wurde von Castelli in New York aufgefordert, für seine Galerie zu arbeiten, eine Einengung, die seinem Nomadentum vollkommen widersprach. Oftmals auch als Manko betrachtet, nämlich das Fehlen klar beschreibbarer Absichten, macht doch gerade dieses Eigene, nicht Greifbare des Künstlers, einen großen Teil seiner Besonderheit aus.