Kunst in Krefeld

Hans-Jörg Holubitschka
Abyss III2, 160 x 210 cm, Öl auf Leinwand
© Galerie Fellner von Feldegg
Hans-Jörg Holubitschka
Westerburg,160 x 240 cm, Öl auf Leinwand
© Galerie Fellner von Feldegg

Es ist bereits Tradition, daß an einem Sonntag im September die Krefelder Museen und Galerien ihre Türen öffnen. Die Galerie Fellner von Feldegg zeigt weiterhin Arbeiten von Hans-Jörg Holubitschka und Bernard Lokai. Die in diesem Sommer unter der Bezeichnung "Karambolage" ausgestellten Werke sind weitestgehend ausgetauscht worden;  eine völlig neue Ausstellung ist entstanden.

 

Text zur Ausstellung Karambolage:

Karambolage ist das Thema unter dem sich die Künstler Hans-Jörg Holubitschka und  Bernard Lokai zu einer gemeinsamen Ausstellung in der Galerie  Fellner von Feldegg zusammen finden.  In Gedanken an ihr langjähriges,  regelmäßiges Billardspiel kam ihnen die Idee den Namen dieses Spiels als ein Symbol ihrer Freundschaft,  Individualität und künstlerischen Arbeit für die Ausstellung zu wählen,  geben ihnen doch die regelmäßige Zusammentreffen Zeit zur Kom-munikation  über Vorstellungen,  Ambitionen,  Motivationen und den Sinn in der Suche nach  ernsthaften Ausdrucksformen ohne dabei eine gewisse Leichtigkeit zu verlieren.


Beide haben gemeinsam nicht nur die Freude an dem Spiel,  sondern auch  Parallelen in der künstlerischen Arbeit.  Während des Studiums an der Kunst-akademie in Düsseldorf  fanden sie sich in der Meisterklasse bei Gerhard Richter zusammen. 


Karambolage heißt Zusammenstoß,  so kann man das Zusammenstoßen zwei-er unterschiedlicher Individuen und Ausdrucksformen sehen.


In dem Spiel verschwinden keine Kugeln, vielmehr bleiben die Kugeln auf dem Tisch.  Sie verändern durch den Zusammenstoß ihre Position und bilden damit  neue Bilder.  Auch das kann als Symbol gesehen werden.  „Energie geht nicht verloren,“  sagt Bernard Lokai „sie bleibt in der Veränderung.“ 


Für beide Maler ist die Farbe  wesentliches Element. 

Bernard Lokai
g476 - Span (2010), 140 x 200 cm, Öl auf Leinwand
© Galerie Fellner von Feldegg
Bernard Lokai
g478 - ohne Titel (2010), 100 x 160 cm, Öl auf Leinwand
© Galerie Fellner von Feldegg

Farbe, die bei Bernard Lokai umgesetzt wird in Abstraktionen auf Leinwänden.  Während seine frühe-ren Bilder abstrahierte Landschaften zeigten,  sieht  er heute Horizonte  fast als Einengung.  In großen gestischen Pinselstrichen können wir dennoch Räume wahrnehmen,  Licht und Schatten bringen Tiefe. 


„Konkrete Räume engen ein“  ist sein Tenor.  Seine Triebfeder ist die Erlangung größerer Freiheit.  In der Malerei hat er seine Möglichkeiten der Ausdrucksform gefunden.


Während Bernard Lokai sich zur Abstraktion hingezogen fühlt,  kommt Hans-Jörg Holubitschka in eine Phase der Figuration.  Seine neue Werkreihe  zeigt Stadtbilder,  bekannte Plätze,  Gebäude und städtische Ensemble,  während  parallel perfekt gemalte scheinbar harmonische Landschaftsbilder sein Thema sind.  Allen Bildern gemeinsam sind für den Künstler  Brüche, die er bewußt setzt.  Die in jeder Harmonie und Schönheit latent verborgenen Dramatik findet so ihren Ausdruck.  Irritierend sind die farbigen Details,  von denen der Betrachter weiß,  dass sie dort nicht hinge-hören,  sie sind fremd aber wichtig.  Es scheint Widersprüchlichkeiten in der Motivwahl zu geben,  die spannende Konsequenzen zeigt.  Er überzieht gerne die Farbigkeit,  um all zu große Harmonie damit zu zerstören.

Brigitte Zarm


Im Außenraum der Galerie präsentiert die Künstlerin Brigitte Zarm fünf unterschiedlich große Objekte,  die auffallen durch Ihre Leichtigkeit.  Wie könnte es auch anders sein, ist doch die Vogelfeder Motivation  ihres künstlerischen Schaffens.  Sie erscheint in dünnflächigem, filigranen Stahl,  einem Material, das ihre Kontur, ihren Gestaltcharakter und ihren  symbolischen Status in sich aufzunehmen vermag.  

So hat sie die Komposition eines Musikers in ein Notenbuch umgesetzt.  Der Komponist fühlte sich darin verstanden und bestätigt.

 

Rollende Kugeln und fliegende Federn mögen auch uns in unserer Betrachtung zur  Wahrnehmung des Anderen beflügeln.

 

Marie-Luise Fellner von Feldegg

27.04.2010